1.4.2018 – 31.12.2020
Kunsthochschule Kassel der Universität Kassel
Leitung:
K.-U. Hemken
Assistenz und wissenschaftliche Mitarbeitende:
Simon Großpietsch, Linda-J. Knop
Studentische Mitarbeitende:
Julia Gens, Lisa-Maria Schmidt
Verbundpartner*innen:
Dr. Birgit Dalbajewa, Albertinum / Galerie Neue Meister,
Staatliche Kunstsammlungen Dresden und Prof. Uwe J.
Reinhardt, M.A., edi Exhibition Design Institute
Hochschule Düsseldorf Peter Behrens School of Arts
Gestaltung:
Linda-J. Knop
Gefördert durch das Bundesministerium für Bildung
und Forschung der Bundesrepublik Deutschland
Vom Gegenstand zum Exponat
Das Verhältnis von Objekt und Inszenierung in Ausstellungen des 20. und 21. Jahrhunderts. Die
Fallbeispiele Internationale Kunstausstellung 1926 in Dresden und der Raum für konstruktive Kunst
von El Lissitzky.
– Assistenz
– wissenschaftlicher Mitarbeiter
– Organisation
– Entwicklung und Ausarbeitung des kunstwissenschaftlichen Konzepts der virtuellen sowie
materiale Rekonstruktion des „Raum für konstruktive Kunst“ von El Lissitzky sowie der
Internationalen Kunstausstellung Dresden 1926
– Provenienzforschung von etwa 800 Gemälden und 200 Skulpturen in insgesamt 56 Räumen
der Internationalen Kunstausstellung Dresden 1926
– Ausstellungsmanagement sowie interne und externe Projektkoordination und -kommunikation
– Leitungsverantwortung für das Team der Mitarbeiter*innen
– Betreuung der Mitarbeitenden
Das kunstwissenschaftliche Forschungs- und Verbundprojektprojekt „Vom Gegenstand zum Exponat“
verfolgte das Ziel, das spannungsreiche Verhältnis von Objekt und Inszenierung in Ausstellungen des 20.
und 21. Jahrhunderts kritisch zu erschließen. Im Zentrum stand die Frage, ob ein Objekt aus eigener Kraft
zu sprechen vermochte oder ob es – wie Kurator*innen und Szenograf*innen annehmen – stets einer
vermittelnden Instanz bedurfte. Damit stellte sich die grundsätzliche Frage nach der Autonomie des
Exponates: Existierte eine authentische „Sprache der Objekte“ oder war diese erst Ergebnis
szenografischer Übersetzungsleistungen?
Foto: Simon Großpietsch.
Das Projekt nahm ein historisches Beispiel in den Blick: die Internationale Kunstausstellung 1926 in
Dresden sowie El Lissitzkys Raum für konstruktive Kunst (1926). Hier trat ein neuartiges
Spannungsverhältnis auf: Während die Ausstellungskonzeption von Hans Posse und Heinrich Tessenow
noch an einer weihevollen, national konnotierten Objektpräsentation orientiert war, entwickelte Lissitzky
eine experimentelle Szenografie, die sich an zeitgenössischen Leitmedien wie Film und Fotografie sowie
an Erkenntnissen der Wahrnehmungspsychologie orientierte. Sein Ausstellungsraum zielte auf eine
veränderte Rezeptionsweise und transformierte das Kunstwerk durch räumliche und mediale Setzungen.
Damit stand die Frage im Raum, in welchem Maße Szenografie das Objekt verstärkte oder
instrumentalisierte.
Seit den 1990er-Jahren hatte sich die Szenografie zudem aus dem Ausstellungsdesign gelöst und als
eigenständige Disziplin etabliert. Sie übernahm nicht länger eine dienende Funktion, sondern
beanspruchte eigene Autorschaft und Deutungshoheit. Damit verschärfte sich die Frage nach dem
Verhältnis von Objekt, Inszenierung und Betrachter: War es die unmittelbare Objektsprache oder erst die
szenografische Vermittlung, die Bedeutungen sichtbar machte? Welche Rolle spielten die kulturelle
Konditionierung des Publikums und die Veränderungen durch Massenmedien, Konsumkultur und soziale
Netzwerke?
Das Forschungsprojekt verknüpfte historische Rekonstruktionen mit aktuellen Fragestellungen. Es
erschloss die Internationale Kunstausstellung 1926 über Archivrecherchen und rfealisierte sowohl eine
materiale 1:1-Rekonstruktion von Lissitzkys Raum als auch eine virtuelle Rekonstruktion der gesamten
Ausstellung. Diese Ansätze sollten nicht nur kunsthistorische Erkenntnisse sichern, sondern auch neue
Wege in der wissenschaftlichen Vermittlung eröffnen.
In interdisziplinärer Kooperation – zwischen Kunstwissenschaft, Ausstellungsdesign, IT-Forschung und den
Staatlichen Kunstsammlungen Dresden – wurden zentrale Leitfragen diskutiert:
- Existierte eine authentische Sprache der Objekte?
- Welche Funktion besaß die Szenografie – Verstärker oder eigenständige Instanz?
- Wie beeinflussten primäre und sekundäre Kontexte die Deutung von Objekten?
- Welche Rolle spielten die Dispositionen der Betrachter im Spannungsfeld von ästhetischer und
sozialer Erfahrung?
Die Ergebnisse flossen in Publikationen, Tagungen und experimentelle szenografische Formate ein.
Zugleich zielte das Projekt auf eine Ausstellung in Dresden, die die Aktivitäten progressiver Akteure der
1920er-Jahre neu beleuchtete und anlässlich des Bauhaus-Jubiläums stattfand.